Die katastrophische Feerie (Institutionalisiertes Forschungsprojekt)
Diskontinuität, Spektakularität und die französische Moderne
Allgemeine Angaben
- Projektbeginn
- Sonntag, 01. April 2012
- Projektende
- Montag, 31. März 2014
- Status
- laufend
- Weiterführender Link
- (in Kürze)
- Thematik nach Sprachen
- Französisch Sprachübergreifend
- Disziplin(en)
- Literaturwissenschaft Medien-/Kulturwissenschaft
- Schlagwörter
- Feerie Katastrophe Moderne Spektakularität Diskontinuität
Aktiv beteiligte Person(en)
(z.B. Kooperation, Mitarbeiter, Fellows)
Jörg DünneAnmerkungen
DFG-gefördertes literaturwissenschaftliches Projekt
Exposé
Das Projekt widmet sich der Rehabilitierung der zu Unrecht in Vergessenheit geratenen, vor allem im Frankreich des 19. Jahrhunderts populären Gattung der Feerie. Über die bisher in der Forschung vorherrschende Einordnung als reine Unterhaltungsgattung hinaus soll es darum gehen, die Feerie als paradigmatisch für eine spezifische Erfahrung moderner Zeitlichkeit zu erfassen, die sich durch die ästhetische Form einer spektakulären Diskontinuität auszeichnet und häufig als Katastrophe modelliert wird.
Ansatzpunkte dafür finden sich bereits in der theatralen oder kinematographischen Feerie selbst, das „Katastrophen-Potenzial“ der Feerie wird jedoch darüber hinaus vor allem in narrativen Zusammenhängen genutzt. Es stellt sich die Frage, ob diese Affinität moderner Feerien zur Inszenierung von Katastrophen auf thematischer Ebene bloß kontingent ist oder, ob es möglicherweise eine strukturelle Affinität der Feerie zur Inszenierung von Katastrophen gibt, die in formalen Aspekten der Gattung begründet liegt, insbesondere im diskontinuierlichen Übergang zwischen den einzelnen Tableaus. Die Katastrophen-Affinität der Feerie hat damit vor allem eine Grundlage, die auf der speziellen Inszenierungsform basiert. Die Tableau-Struktur der Feerie verweist aber auch auf eine bestimmte Form der Wissensorganisation, die in spezifischer Weise an die epistemologische Funktion des Tableaus anschließt. Die Art, wie Feerien wunderbare fiktionale Handlungen in Form einer Spannung von tableauhafter Statik und plötzlicher Ereignishaftigkeit organisieren, lässt die Feerie zu einer ästhetischen Form werden, in der sich darüber hinaus eine spezifische Denkfigur epistemologischer Historizität als serielle Abfolge diskontinuierlicher Zeitschichten profiliert.
Was den Untersuchungszeitraum des Projekts betrifft, bilden die Jahre um 1900 in der Gattungsgeschichte der Feerie den Kernpunkt der Untersuchungen, weil dort die Feerie als Brückengattung zwischen Theater und Kino ihre größte Wirkung im Rahmen einer Ästhetik der Inszenierung spektakulärer Diskontinuitäten entfaltet (Arbeitsfeld I). Bezieht man die Erzählliteratur und die Kulturtheorie mit ein, so lässt sich dieser Kern auf eine größere Zeitspanne erweitern, die eine umfassende Wirkungsgeschichte der katastrophischen Feerie zu beschreiben erlaubt: Seit den Sechzigerjahren den 19. Jahrhunderts strahlt die – zunächt theatral bestimmte – Feerie in ihrer Popularität vermehrt auf die Erzählliteratur aus (Arbeitsfeld II). Zum ‚Nachleben‘ einer nach 1910 schnell abnehmenden Popularität der Gattung Feerie im engeren Sinn trägt neben der Erzählliteratur nun auch die Kulturtheorie des 20. Jahrhunderts bei (Arbeitsfeld III), die die Feerie im Licht der Erfahrung der beiden Weltkriege in ihrem katastrophischen Akzent als spezifische Erfahrungsform moderner Zeitlichkeit noch schärfer akzentuiert.
Sonstige Angaben
- Ersteller des Eintrags
- Jörg Dünne
- Version
- 3
- Erstellungsdatum
- Mittwoch, 11. Januar 2012, 16:01 Uhr
- Letzte Änderung
- Mittwoch, 11. Januar 2012, 16:01 Uhr